Chorleiter

Ab September 2018: Philipp Gerschlauer

Wie ich von Blasmusik, dem New Orleans Jazz, dem klassischen Saxophon, dem Jazzstudium (Bachelor Berlin, Master New York), der mikrotonalen Musik, dem Orgelspiel zur Leitung eines Gospelchores kam? Ich finde, das passt doch sehr gut in diese Auflistung!

Ich bin immer auf der Suche nach neuen Ufern und Herausforderungen und habe in den letzten Jahren familiär bedingt die Chorarbeit für mich entdeckt. Und nun war es Zeit für eine Stelle als Chorleiter!

Was mich am Gospel reizt ist die Botschaft der Texte und die Urtümlichkeit und Echtheit der Musik. Was dem Jazz allzu oft verloren gegangen ist, blüht hier geradezu auf und erscheint auf ewig neu. Und so möchte ich die Unschuld und Urwüchsigkeit dieser Musik dem Chor vermitteln und ihn mit meinem Können weiterentwickeln.

Die Kraft, das Potenzial und der soziale Aspekt des Chores soll mit Hilfe der Musik zu voller Entfaltung kommen.

Ich habe selbst einige Zeit am Leopoldplatz gelebt und weiß daher, wie wichtig ein Chor für ein gutes „Kiezgefühl“ ist, welche Rolle er spielen und welche Akzente er setzen kann. In diesem Sinne möchte ich die erfolgreiche Arbeit Stefans fortführen und dabei dem Chor mit meiner Erfahrung und meiner ganzen Energie zur Seite stehen.

 

November 2014 – Juli 2018: Stefan Wieske

Gospel singen kann man mit einer unverschlossenen Tür vergleichen, an der ein übergrosses Schild hängt, auf dem mit roten Buchstaben geschrieben steht: „Willkommen! Tritt ein und bediene dich in aller Freiheit an allem, was du brauchst.“ Hinter dieser Tür befindet sich der ganze Reichtum Gottes, alles, was sein Wesen ausmacht. Er lädt uns ein, an diesem Reichtum teilzuhaben. Sein Ziel ist nicht, dass wir draussen bleiben und uns auf uns allein gestellt mit den Überforderungen des Lebens abmühen. Im Gegenteil – Gott bittet uns nicht nur einzutreten, sondern es ist sein Anliegen, dass wir bleiben… Das ist ein fortlaufender Prozess, nicht bloss eine gelegentliche religiös klingende Rede, die wir an eine nebulöse Göttlichkeit irgendwo da draussen richten. Gospel singen soll Teil unseres Lebens werden, wie Atmen, Denken oder Sprechen.
Bill Gaither
Genau aus diesem Geist heraus habe ich den Chor in der Nazarethkirchengemeinde gegründet. Die ersten zwei Jahre habe ich den Chor unentgeltlich geleitet. Warum? Mir war und ist es wichtig, dass Leute zusammenkommen und singen. Ich war glücklich, wenn ich die Chorproben verlassen habe und ich habe gesehen, dass die Menschen, die jeden Mittwoch zur Probe kamen, es auch waren. Das hat mir damals als „Honorar“ gereicht. Im Laufe der Zeit hat sich dann auch die Kirchengemeinde mit dem Chor identifiziert und beschlossen mir ein Honorar zu bezahlen.
Daraufhin habe ich entschieden zweimal im Jahr einen Gospelworkshop anzubieten. Dieses Angebot wurde sehr gut angenommen und gab den Menschen, die nicht regelmäßig zum Singen kommen konnten, die Möglichkeit ein ganzes Wochenende mit Musik zu verbringen und mit einem schönen Abschlusskonzert abzurunden.
Warum wurden es so viele Leute im Gospelchor, in einer scheinbar „atheistischen“ Gegend wie der Wedding eine ist?
Die Menschen suchen! Sie suchen nach neuer Musik in der Kirche, sie suchen nach Gemeinschaft und manche suchen auch nach Gott. Der Gospelchor „Spirit of Nazareth“ hat sich zu einer Gruppe mit einem ungemeinen Gemeinschaftsgefühl entwickelt. Eine Gruppe, wo jeder und jede genau das für sich herausziehen kann, was er oder sie gerade in dem Moment braucht. Ich bin sehr stolz darauf den Chor auf dem Weg in diese Richtung maßgäblich geprägt und unterstützt zu haben.
Ich würde mir wünschen, dass auch in Zukunft den Menschen die Möglichkeit gegeben wird zu suchen und zu FINDEN. Unabhängig von Honoraren, von Eitelkeiten und von Zwängen, die jeder und jede von uns hat.
Ich wünsche mir, dass das Ziel nicht aus den Augen verloren wird. Das Ziel im Singen jeden und jede willkommen zu heißen und Gott zu loben.